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Versiegelt, vernachlässigt, verschleppt - Über die Entsiegelungspläne im Bezirk

Karolin Behlert

Unser Bezirk ist auf einer Fläche von 20,4 km2 zu circa 66 Prozent versiegelt, also bebaut mit Wohngebäuden, Gewerbeflächen oder unbebaut versiegelt mit Wegen, Straßen – Tendenz steigend. Unser Bezirk ist damit eine der am meisten versiegelten Kommunen Deutschlands. Um Hitzesommern und Extremwetterereignissen zu trotzen, kann Entsiegelung in der Klimakatastrophe eine hilfreiche Strategie sein: Der Boden kann unversiegelt Regenwasser aufnehmen, Pflanzen können es speichern und durch Verdunstung die Lufttemperatur herunterregulieren. Die Bezirksverordnetenversammlung hat dahingehend bereits viele wichtige Beschlüsse gefasst: Das Bezirksamt soll ein Entsiegelungskonzept erstellen, zwei Prozent der Parkplatzflächen im Jahr entsiegeln (das entspricht 500 Parkplätzen bzw. 6.000 m2) und auf unseren Antrag hin auch gemeinschaftlich mit der Zivilgesellschaft entsiegeln, um schneller voran zu kommen. Was seitdem geschah: Im Jahr 2023 hat der Bezirk rund 4.000 m2 Fläche entsiegelt und weitere 5.100 m2 Fläche versickerungsfähiger umgestaltet. Im Jahr 2024 wurden nur noch 2.300 m2, im Jahr 2025 sogar nur noch 2.100 m2 entsiegelt. Ein Entsiegelungskonzept gibt es nicht und auch die Kooperation mit der Zivilgesellschaft wurde nicht umgesetzt. An fehlendem Willen im Bezirksamt liegt das jedoch nur teilweise. Bei schwindenden Mitteln ist oft nur Zeit für Pflichtaufgaben wie Verkehrssicherung. Der Bezirk ist abhängig von Bundes- und Landesmitteln und hier wurde von der CDU in den letzten Jahren vermehrt der Rotstift beim Umwelt- und Naturschutz angesetzt. Eine Leitlinie wie für den Straßenbau, die jährlich feste Mittel zusagt, fehlt für Grünflächen. Zudem leiden Förderprogramme des Senats nicht erst seit den Haushaltsverhandlungen im Herbst 2025 unter Kürzungen. Auch die 100 »Klima-Milliarden« vom Klima- und Transformationsfonds des Bundes werden leider teilweise für Gas-Subventionen und fragwürdige Wasserstofftechnologie eingesetzt, vom Rollback mit dem neuen »Heizungsgesetz« mal ganz zu schweigen. Wie auch im Bund beobachten wir in Berlin einen Rückfall in die 1980er Jahre. Trotz aller Rückschläge lasst uns 2026 weiter an einer klimafreundlichen und umweltgerechten Stadt arbeiten und mindestens die Netto-Null-Versiegelung wieder als Ziel setzen! Damit auch prekär Beschäftigte und ärmere Menschen, die sich keinen Urlaub leisten können, sich hier in unserer Stadt vom Malochen erholen können.

Karolin Behlert, umweltpolitische Sprecherin der BVV-Fraktion
klar.links Ausgabe #3 Mai/Juni 2026

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