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"Vernünftige Finanzierung statt verbale Anerkennung" - Interview mit der Intensiv-Pflegerin und Gewerkschafterin Dana Lützkendorf

Du bist Intensiv-Krankenpflegerin an der Charité, einer der drei Schwerpunktkliniken für die Versorgung von Corona-Patienten in Berlin. Wie ist dort die Situation?
Wir haben uns frühzeitig sehr gut vorbereitet. Der Blick nach Italien und die Lehren daraus haben dafür gesorgt, dass wir schnell freie Kapazitäten geschaffen haben. Auch für uns auf den Intensivstationen gab es einige Veränderungen, da wir im Moment ausschließlich schwerstkranke COVID-19-Fälle behandeln. Die Versorgung dieser Patienten ist hoch aufwendig und bedarf immer wieder einer Anpassung an die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Die ersten Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen greifen, hat sich die Lage bei euch auch entspannt?
Davon kann keine Rede sein. Wenn die Lockerung der Ausgangsbeschränkungen zu einer zweiten Welle führt, wird uns die sicher härter treffen. Denn die normalen Operationen werden wieder hochgefahren, schon aufgrund des finanziellen Drucks, und das zusätzliche Personal steht dann nicht mehr zur Verfügung.

Haben sich die Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Pfleger noch einmal verschärft?
Da uns zurzeit Personal aus anderen Bereichen auf den Intensivstationen unterstützt, ist die Situation hier sogar besser geworden. Genauso müsste das sonst auch sein. Ein großes Problem ist die Versorgung mit Schutzmaterial. Wir tragen eine Schicht lang die gleichen Masken, obwohl es Einwegmaterial ist. Wir müssen sie dann so vorsichtig abnehmen, dass wir die kontaminierten Stellen nicht berühren und sie dann so ablegen, dass die Bereiche, die mit der Haut Kontakt haben, nicht kontaminiert werden. Beim Wiederaufsetzen genauso. Viele Kollegen fühlen sich damit nicht sicher. Sie haben Angst, Familienangehörige anzustecken, wenn sie sich selber infizieren auf der Arbeit.

Die Bundeskanzlerin hat sich bei den Pflegekräften für ihren Einsatz während der Pandemie bedankt. Gibt euch das Genugtuung?
In der Krise zeigt sich, wie wichtig alle Beschäftigten im Krankenhaus sind. Von der Pflegekraft über die Laborassistentin, den Medizintechniker, die Reinigungskraft, die Ärztin, der Krankentransport, die Therapeutin usw. Alle tragen dazu bei, dass die Patienten adäquat versorgt werden können und der Betrieb läuft. Das Gesundheitssystem wurde die letzten Jahrzehnte den neoliberalen Marktverhältnissen unterworfen. Immer effizienteres Arbeiten und Sparmaßnahmen sollten wettbewerbsfähig machen. Um Erlöse zu erwirtschaften und die schwarze Null zu erreichen, wurde überwiegend am »Kostenfaktor« Personal gespart und Servicebereiche ausgegliedert. Das hat nicht nur zu einer Arbeitsverdichtung geführt, sondern auch zu prekärer Beschäftigung. Das macht die Situation jetzt noch unberechenbarer.

Was sind eure Forderungen an die Verantwortlichen im Gesundheitsbereich? Was muss in den nächsten Wochen sofort passieren?
Zu allererst muss so viel Schutzmaterial da sein, dass man das Material wieder als Einwegmaterial nutzen kann, wie es vorgeschrieben ist. Andererseits sollte man die verbale Anerkennung, die man für uns hat, in eine Prämie für besondere Belastung umwandeln und langfristig die Tarife deutlich erhöhen. Es muss mehr Tests fürs Personal geben, nicht nur in den Krankenhäusern. Und vor Allem sollten die Tochterfirmen der landeseigenen Kliniken jetzt in die Kliniken zurückgeführt werden, damit endlich unsere Kollegen dort einen Lebensunterhalt verdienen, der ein gutes Leben auch später in der Rente ermöglicht.

Was muss getan werden, damit in Zukunft eine angemessene Versorgung in den Krankenhäusern und zumutbare Arbeitsbedingungen entstehen?
Das Fallpauschalensystem DRG, das momentane Finanzierungssystem der Krankenhäuser, muss sofort ausgesetzt werden. Sonst rutschen die Krankenhäuser so in die Miesen, dass hinterher wieder massivst eingespart werden muss. Das geht dann wieder auf Kosten der Beschäftigten und Patienten. Wir brauchen eine bundesweite Bedarfsplanung zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung und eine am Bedarf orientierte Finanzierung und Personalbemessung. Und natürlich eine deutlich bessere Bezahlung der Beschäftigten im Gesundheitsbereich.

Interview: Damiano Valgolio

klar.links Ausgabe #3 Mai/Juni 2020


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