Spekulation mit der Markthalle 9 vorbeugen
Was geschieht ab 2027 mit der Markthalle Neun in der Eisenbahnstraße? Im Frühjahr 2027 läuft die 15-jährige Nutzungsbindung für die denkmalgeschützte Halle ab, die 2011 im Rahmen eines Bieterverfahrens für 1,15 Millionen Euro unter Auflagen privatisiert wurde. Die Halle sollte ein »soziales Zentrum« werden mit expliziter Kiezorientierung und einem Warenangebot für den täglichen Gebrauch der Bewohner*innen im Kiez. Die Akzeptanz für eine »Halle für Alle« war zunächst recht groß, doch mit den Jahren ist die Begeisterung geschwunden. Das Wohnumfeld der Halle ist recht divers. Viele leben von sehr bescheidenen Einkommen, für die die meisten Produkte in der Halle schlicht zu teuer sind. Es gibt auch viel Kritik an der Entwicklung der Halle zu einem Tourismus-Hotspot und der räumlichen Ausdehnung des Wochenmarktes. Der Marktpreis der Halle ist um ein Vielfaches gestiegen und mit Wegfall der Nutzungsbindung an eine kiezorientierte Versorgungsfunktion steigt er weiter. Ein Weiterverkauf der Halle wird ebenso attraktiv wie ihre Umfunktionierung zu einer auch für Touristen attraktiven Eventlocation.
Mehr Kommerzialisierung, mehr Tourismus, mehr Events erhöhen die Verwertung, aber auch die Belastung für die Bewohner*innen und den Protest. Mehr Anlieferung, mehr Müll, mehr Verkehr, mehr externe Besucher, mehr Lärm überfordern den Wohnkiez. Einer solchen Entwicklung kann man nicht tatenlos entgegensehen. Die Linke in der BVV will einer zukünftigen Eventlocation vorbeugen und planungsrechtlich ein sozial durchlässiges Nahversorgungskonzept für die Markthalle 9 absichern. Anfang Dezember wurde ihr Antrag von der BVV beschlossen. Demnach soll das Bezirksamt bauleitplanerische Schritte einleiten, um die Halle in ihrer Funktion als Ort zur Nahversorgung der Bewohner*innen im Wohngebiet mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs dauerhaft zu sichern. Geprüft werden soll die Aufstellung eines Bebauungsplanes für die Halle mit entsprechender Nutzung im Wohngebiet und für das Nachbargrundstück zur Wrangelstraße hin. Ein entsprechender Aufstellungsbeschluss soll der BVV vom Bezirksamt vorgelegt werden.
Die Eigentümer der Halle wollen vermeintlich am bisherigen Nutzungskonzept auch nach Ablauf der Bindung festhalten. Das wäre zu begrüßen, würde aber eine planungsrechtliche Absicherung bei einem solchen potentiellen Spekulationsobjekt nicht ersetzen.
Gaby Gottwald, BVV, Sprecherin für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen
klar.links Ausgabe #1 Januar/Feburar 2026

