Poller schützen Leben - Das Konzept »Flächendeckende Verkehrsberuhigung«

Karl-Heinz Ludewig

Das Bezirkskonzept , 2023 beschlossen, sieht für alle Regionen bezirksweit Maßnahmen mithilfe von Kiezblocks vor. Übergeordnete Ziele sind höhere Verkehrssicherheit für den Fußverkehr und Reduktion von Durchgangsverkehr in den Nebenstraßen. Dazu dienen folgende Maßnahmenblöcke: Querungshilfen, Temporeduktion, Schulzonen sowie Einbahnstraßen, Modale Filter (z. B. Diagonalsperren) und Fußgänger*innen-Zonen. Die Radverkehrsplanung oder auch die Parkraumbewirtschaftung sind ergänzend eigene Bereiche der Verkehrspolitik.

Schlechte Umweltsituation und soziale Schieflage erfordern weniger Autos
Um zu einer Reihenfolge bei der Handlungsnotwendigkeit der Planungsräume zu kommen, wurden Daten aus dem Umweltgerechtigkeitsatlas zu Grünversorgung, thermischer, sowie Lärm- und Luft-Belastung (NOx) und sozialer Benachteiligung verwendet. Darüber hinaus Einwohner*innen-Dichte, die Anzahl der Grundschulstandorte nach Gefährdungslage und bereits abgeschlossene oder laufende Beruhigungen wie im Samariterkiez, Lausitzer und Chamisso-Platz und Wrangelkiez. Die höchsten Prioritäten der Planungsgebiete haben Urbanstraße (527 Punkte), Ostkreuz (506), Kreuzberg Nord 1 (497) – die niedrigsten Wrangelkiez (321), Bergmannkiez (299) und Stralauer Halbinsel (261). Dieses Vorgehen, eine Priorisierung unter Einbeziehung von Umweltgerechtigkeit sowie sozialer Benachteiligung vorzunehmen, ist vorbildhaft – damit geraten auch Gebiete mit geringerem Bürgerengagement ins Blickfeld der Planer*innen. Der Ostkreuz-Kiez mit Platz 2 der Prio-Liste zwischen Revaler, Warschauer Str. sowie Frankfurter Allee ist momentan in der Umsetzung, danach muss es mit einem Planungsgebiet aus dem Kreis: Frankfurter Allee Nord , Karl-Marx-Allee Süd, Urbanstraße oder Kreuzberg Nord 1, weitergehen, will man mit den ermittelten Handlungsbedarfen Ernst machen. (siehe Abb.)

Bürgerbeteiligung deutlich ausweiten
Für alle Planungen werden vom Bezirksamt Bürgerbeteiligungen durchgeführt. Diese sind aber nicht ausreichend, weil zu wenige Bürger*innen erreicht werden. Oftmals kreisen die Informationen über solche Veranstaltungen nur verstärkt in interessierten, positiv gestimmten Milieus, andere Nachbarschaften werden nicht einbezogen, weil die Infos fehlen. Vielfach hören wir die Klagen »davon habe ich als Betroffene*r nichts mitbekommen«. Das Bezirksamt muss die Kommunikationswege erweitern, von Hauswurfsendungen über Plakate bis hin zu Socialmedia-Posts.

Unfälle und Gesundheitsgefahren sinken, Aufenthaltsqualität steigt
Intelligent angelegte Kiezblocks führen zu deutlich geringeren Autoverkehr in den Wohngebieten, zu weniger Lärm und Abgasen. Und damit einher gehen die Unfälle deutlich runter. 2024 im Neuköllner Reuterkiez wurden 40 Prozent weniger Unfälle verzeichnet, es gab keine Schwerverletzten mehr (2023 waren es noch 6) und die Zahl der Leichtverletzten sank um 56 Prozent. Und auf andere Gesundheitsgefährdungen wirkt Verkehrsberuhigung ebenfalls positiv. Laut Umweltbundesamt sterben mehrere Hundert Menschen vorzeitig jedes Jahr in Berlin aufgrund von Straßenverkehrslärm oder Abgasbelastung, vornehmlich in den hoch belasteten Innenstadtbezirken. Diesem Schicksal entgehen somit zahlreiche Menschen durch Kiezblocks. Poller gefährden nicht Leben, sondern schützen es. Fragt man Feuerwehr oder Rettungsdienste, so sind es Falschparker an Kreuzungen, Einmündungen und in schmalen Straßen, die deren Wege blockieren. Den Kiezblocks die Finanzmittel zu streichen, war die letzte Frechheit der Autosenatorin Bonde, instruiert vom Autolobbyisten Stettner der CDU-Fraktion. Deren Kampagnen gegen Poller, orchestriert von der Springer-Presse, werden kein Erfolg haben, weil die große Mehrheit der Bürger*innen die Steigerung der Lebensqualität schätzt und die Sicherheit für Kinder allerorten erkannt wird.

Karl-Heinz Ludewig, Mitglied in AG Linksverkehr
klar.links Ausgabe #6 November/Dezember 2025