Paketboten am Limit

Pascal Meiser

Die Weihnachtszeit ist für viele eine Zeit der Erholung. Für die rund 135.000 Paketzusteller*innen in Deutschland ist sie hingegen die härteste Phase des Jahres. Denn sie sind es, die schwere Pakete die Treppenhäuser hochschleppen und bis an die Haustüren liefern. Bis zu 300 Sendungen an bis zu 220 verschiedene Adressen liefert ein Paketzusteller im Schnitt jeden Tag aus – einzelne Lieferungen können bis zu 70 Kilo wiegen. Das bedeutet eine extreme körperliche Belastung, dazu permanenter Zeitdruck. Entsprechend hoch ist das Risiko von Überlastung und Verletzungen. Daher kann es niemanden überraschen, dass der Krankenstand im Branchenvergleich am dritthöchsten ist. Diese Arbeit geht wortwörtlich auf die Knochen.

Doch damit nicht genug: Die Branche ist von intransparenten Subunternehmerketten durchzogen. Der Anteil von Personal, das zwar im Auftrag und im Namen der großen Paketunternehmen unterwegs ist, aber gar nicht direkt bei diesen angestellt ist, ist in der Paketzustellung häufig bei über 50 Prozent, teils sogar bei bis zu 100 Prozent. Obwohl sie die eigentliche Kernarbeit erledigen, sind sie häufig leichter kündbar und haben oft kaum eine Chance, ihre Rechte durchzusetzen. Arbeitsrechtliche Verstöße und illegale Praktiken sind an der Tagesordnung. Nicht selten wird ihnen Lohn vorenthalten und selbst der Mindestlohn wird unterlaufen. Auch der Arbeitsschutz wird oftmals ignoriert. Mit dieser organisierten Verantwortungslosigkeit muss endlich Schluss sein! Deswegen setze ich mich schon lange gemeinsam mit meiner Fraktion Die Linke im Bundestag dafür ein, Paketzusteller*innen wirksam vor Ausbeutung und Überlastung zu schützen. Es muss endlich ein Ende der ausufernden Subunternehmerstrukturen bei der Zustellung geben. Wer Pakete ausliefert, muss auch direkt angestellt werden. In der Fleischindustrie ist es so bereits gelungen, in Teilen mafiösen Praktiken in Subunternehmerketten das Handwerk zu legen – höchste Zeit, dass die Paketbranche folgt. Denn nur so können in diesem Bereich Kontrollen überhaupt greifen und Arbeitsrechte durchgesetzt werden. Klar ist auch: Die herrschenden Arbeitsbedingungen sind nicht hinnehmbar. Diejenigen, die bei Wind und Wetter Pakete austragen, müssen konsequent geschützt werden.

Dafür braucht es endlich eine echte Entlastung und die klare Regelung, dass Pakete über 20 Kilogramm nur noch von zwei Personen zugestellt werden dürfen statt wie bisher häufig allein von einer Person. Die Paketzustellung und ausgerechnet die Weihnachtszeit dürfen nicht länger eine echte Gefahr für die Gesundheit der vielen Paketzusteller*innen in unserem Land bleiben.

Pascal Meiser, Mitglied des Deutschen Bundestags
klar.links Ausgabe #1 Januar/Feburar 2026