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Karstadt-Gebäude erhalten, Kieze schützen – Kein Abriss, keine Shoppingmall, keine Verdrängung!

Wir lehnen die Pläne für den Abriss und Neubau des Karstadt-Gebäudes ab und fordern den Bezirk auf, jegliche Planung zu unterbinden, die zu einer weiteren Verdrängung in Kreuzberg und Neukölln führt.

Wir fordern, dass die umliegenden Kieze mit ihrer vielfältigen und diversen Bevölkerungsstruktur erhalten, die lokalen Gewerbe geschützt und die Arbeitsplätze vor Ort gesichert werden. Wir fordern eine behutsame Weiterentwicklung, die sich an den Bedarfen und Problemen der aktuellen Nutzer*innen und Bewohner*innen orientiert. Wir wollen keine Investorenträume verwirklichen, sondern die Stadt für alle. Die Pläne des Investors sind mit dieser nicht in Einklang zu bringen und werden deshalb von uns abgelehnt.


Begründung

Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln sind Oasen für das Betongold. Kaufpreise und Mieten sind über Jahre angestiegen, wie an kaum einem anderen Ort in Deutschland. Trotz des massiven Verdrängungsdruckes sind die Nachbarschaften rund um den Hermannplatz noch heute von einer heterogenen, oft einkommensschwachen Bevölkerungsstruktur geprägt. Entsprechend hoch ist die Mietbelastung, die schon heute vielfach jedes vertretbare Maß sprengt. Ebenso prekär ist die Lage des oft inhabergeführten Gewerbes, welches in Form und Angebot noch mit den unterschiedlichen Bedürfnissen im Umfeld korrespondiert. Einen Schutz im (Gewerbe-)Mietrecht, wie ihn u.a. DIE LINKE in Berlin fordert, verweigert der zuständige Bundesgesetzgeber bislang. Die noch funktionierenden Kiezstrukturen sind somit schon jetzt akut gefährdet.

In diese prekäre Gemengelage platzen nun ehrgeizige Investorenträume. Mehrere hundert Millionen Euro sollen in den Abriss des Karstadt‘ und den Bau einer monumentalen, hochmodernen Shoppingmall mit protziger Fassade investiert werden. Die aktuellen Bewohner*innen und Nutzer*innen werden dem Investor solch massive Investitionen kaum versilbern können. Vielmehr ist ihre Verdrängung Voraussetzung dafür, dass das geplante Projekt sich trägt. Der durch die österreichische SIGNA-Gruppe geplante Konsumtempel wird somit zum Brandbeschleuniger im verdrängungsgeplagten Kreuzkölln.

Am unmittelbarsten wird das bestehende Gewerbe unter Druck geraten. Kommt es zum Abriss und einer jahrelangen Großbaustelle ist vom Verlust der Arbeitsplätze bei Karstadt und den derzeit untermietenden Betrieben auszugehen. Mittelfristig werden Baustelle und Prachtbau das umliegende Kleingewerbe nicht minder unter Verdrängungsdruck setzen. Mit ihrer Existenz wird gleichzeitig die adäquate, wohnortnahe Alltagsversorgung der Bewohner*innen gefährdet. Unmittelbare Folgen sind für die – ohnehin strapazierte – Versorgung mit leistbarem Wohnraum, sozialer und kultureller Infrastruktur zu erwarten. Alle diese Bereiche werden der eskalierenden Preisdynamik und Verwertungslogik ausgesetzt und in ihrer Existenz bedroht.

Es ist darüber hinaus nicht einzusehen, warum massiv Ressourcen für den Abriss eines – im Übrigen teilweise denkmalgeschützten – Gebäudes und den monumentalen Wiederaufbau verschleudert werden sollen, wo eine zeitgemäße Instandsetzung vorzuziehen wäre. Ebenfalls ist es umwelt- und sozialpolitisch nicht vertretbar, weitere Standorte im Bezirk aufzubauen, die das ohnehin schon große Problem des Overtourism noch befördern. Zu guter Letzt ist das Projekt auch städtebaulich äußerst fragwürdig: Die Planung sprengt in ihrer Dominanz nicht nur jede angemessene Größenbeziehung am Hermannplatz, sondern sieht auch eine historisierende Architektur vor, die den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen nicht gerecht wird und einer Disneylandisierung des Kiezes Vorschub leistet.