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Grüne und CDU setzen Bebauungsplan für ein neues Hochhaus durch

Gaby Gottwald

Mit einer Mehrheit von einer Stimme setzten die Grünen und die CDU Anfang Juni in einer Sondersitzung der BVV den Bebauungsplan für ein weiteres Hochhauses im Bezirk durch. Nach langem Ringen und viel Werbung für ein vermeintlich ökologisches Vorzeigeprojekt ist nun der Weg für den Bauherren UTB frei, an der Schöneberger Str. 21/22, in der Nähe des Tempodroms, ein massives Bauvorhaben für Wohnen und Gewerbe mit einem 100-MeterTurm zu schaffen – das sogenannte WoHo.

Die teuerste Variante, Wohnraum zu schaffen, ist der Bau von Hochhäusern über 60 Meter. Die Landesunternehmen bauen daher nicht über 60 Meter. Die Kosten für Statik, Sicherheits- und Gebäudetechnik sowie Brandschutz sind zu hoch, um preiswerten Wohnraum zu schaffen. So liegt der Anteil an Sozialwohnungen an der gesamten Baumasse des WoHo unter 20 Prozent. Zudem laufen die Sozialbindungen für maximal 50 Wohnungen nach bereits 30 Jahren aus. Sowohl UTB als auch der grüne Stadtrat priesen das Vorhaben als »Leuchtturmprojekt für eine alternative Wohnungspolitik« an. Doch wie insbesondere auch öffentliche Stellungnahmen zum WoHo dokumentieren, gerade auch aus dem Bezirksamt selbst, kann dieses Versprechen keinesfalls eingelöst werden. So zeichne sich das WoHo weder durch sein Nachhaltigkeitskonzept noch durch eine ökologisch innovative, energiesparende und klimaschonende Bauweise aus. Die Bebauung ist zu massiv, das Grundstück wird »überbaut« vor allem durch das Hochhaus. Gesetzlich vorgeschriebene Abstandsflächen werden massiv unterschritten und der Turm führt zur Verschattung von Nachbargrundstücken, Sport- und Schulplätzen. Da das WoHo ein »beschleunigtes Verfahren« durchlief, konnte die Umweltprüfung entfallen, und das ausgerechnet bei einem Hochhaus, das als ökologisch innovativ und nachhaltig vermarktet wird. Die Grünen schwiegen sich zu dieser fachlichen Kritik weitgehend aus. Die Linke lehnte das WoHo ab, denn es ist weder sozial noch ökologisch nachhaltig.

Nachhaltig am WoHo wird allerdings die Bodenwertsteigerung sein, die vor allem durch das Hochhaus ausgelöst wird. Nachhaltig bleibt auch der Eindruck, mit welchen Mitteln die Grünen das WoHo durchsetzten. So ergaben Vorabstimmungen in der BVV Ende Mai eine deutliche Mehrheit gegen das WoHo – bei Enthaltung der CDU. Auf Antrag der Grünen wurde die Endabstimmung auf die Sondersitzung am 4. Juni 2026 vertagt. Hier stimmte die CDU plötzlich dafür und das WoHo kam mit einer Stimme Mehrheit durch.

Mehrheit durch. Die FDP begründete ihre Ablehnung des WoHo mit einem »Geschmäckle«. Sie verwies darauf, dass der Eigentümer der UTB 2019 den grünen Baustadtrat mit einer Millionenspritze für die Genossenschaft »Diese e.G.« aus der Bredouille gerettet habe. Der »Diese e.G.« waren beim Vorkaufsrecht des Bezirkes Immobilien zugesprochen worden, die sie aber nicht bezahlen konnte. Die CDU sprach von »Vetternwirtschaft« und setzte 2021 mit der FDP einen Untersuchungsauschuss im Abgeordnetenhaus durch.

Gaby Gottwald, Verordnete der BVV FriedrichshainKreuzberg
klar.links Ausgabe #4 Juli/August 2026

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