Flüchtlingsunterkunft Hasenheide: Wohnen statt Lager
Im ehemaligen Bürogebäude der Rentenversicherung an der Hasenheide soll bis Ende 2026 eine neue Unterkunft für Geflüchtete entstehen. In der Erstaufnahmeeinrichtung des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) sollen rund 700 bis 800 Menschen Platz finden. Auch wenn über die Eignung eines umgebauten Bürokomplexes gestritten werden kann, ist klar: Berlin braucht dringend mehr menschenwürdige Unterkünfte – und ein Ende von Lagern und Containern. Doch bei den Planungen von LAF und der Senatsverwaltung für Soziales gibt es Kritik. Vorgesehen sind Großküchen statt Selbstverpflegung. Damit verlieren Bewohner*innen die Möglichkeit, ihr eigenes Essen zuzubereiten. Statt auf ein reines Catering-System zu setzen, hätte der Senat Mut zu einem Modellprojekt zeigen können, das gemeinsames und individuelles Kochen kombiniert.
Ursprünglich war zudem geplant, unbegleitete minderjährige Geflüchtete in einer eigenen Clearingstelle im selben Gebäude unterzubringen. Bis zu 240 Plätze waren vorgesehen, dazu zwölf Willkommensklassen. Bezirk und Flüchtlingsrat warnten jedoch eindringlich vor der Vermischung von Jugendlichen mit erwachsenen Bewohner*innen – ein klarer Verstoß gegen Kinderschutzstandards. Dass diese Pläne nun verworfen wurden, ist ein wichtiger Erfolg. Die neue Unterkunft liegt in unmittelbarer Nähe zur Düttmann-Siedlung – einem Gebiet, das sozial stark belastet ist. Viele Bewohner*innen leben in Armut, viele haben selbst Migrationsgeschichten. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg befürchtet, dass die zusätzliche Belastung ohne flankierende Maßnahmen zu Überforderung führt. Um Integration und Teilhabe zu ermöglichen, fordert der Bezirk daher jährlich 2,1 Millionen Euro vom Land Berlin.
Die Sozialverwaltung des CDUSPD-Senats verweist jedoch auf fehlende Zuständigkeit. Das ist unverantwortlich. Wer Geflüchtete in ohnehin belasteten Quartieren unterbringt, muss zugleich den Sozialraum stärken. Ohne diese Unterstützung bleibt das Versprechen der Willkommenskultur ein leeres Wort – und Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe in der Pflicht. Trotz aller Herausforderungen sendet die Nachbarschaft ein starkes Signal: Das neu gegründete Willkommensbündnis Hasenheide engagiert sich aktiv für Integration und gegenseitige Unterstützung. Anwohner*innen wollen Patenschaften übernehmen, Geflüchtete bei Behördengängen begleiten und bei Schulaufgaben helfen. Wohnen statt Lager, das muss Maßstab bleiben. Geflüchtete verdienen Respekt, Teilhabe und Perspektive. Wenn Berlin zeigen will, dass Menschlichkeit kein Lippenbekenntnis ist, dann muss die Unterkunft an der Hasenheide mehr sein als eine bloße Notlösung: ein Ort des Ankommens, der Würde und der Hoffnung.
Thomas Lohmeier, Mitglied der Linken Friedrichshain-Kreuzberg
klar.links Ausgabe #6 November/Dezember 2025

