Erbschaftssteuer: Gerecht geht anders!

Pascal Meiser

Millionen Menschen müssen schon bei kleinen Erbschaften Steuern zahlen – sofern das Erbe nicht gerade von den allernächsten Verwandten stammt. Doch ausgerechnet Superreiche können ihre Milliarden fast steuerfrei weitergeben. Wie kann das sein? Schuld daran ist die nur wenig bekannte »Verschonungsbedarfsprüfung«: Großvermögen in Form von Unternehmensanteilen können demnach praktisch steuerfrei übertragen werden, wenn die Erben oder Beschenkten nachweisen, dass sie nicht genug liquide Mittel haben.

Diese Regelung gilt allen Ernstes erst für Erbschaften oder Schenkungen ab einem Wert von 26 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die mittlere Erbschaft liegt bei etwa 50.000 Euro. Das ist nicht nur zutiefst ungerecht. Es verschärft auch die soziale Schieflage.

Ein prominenter Fall ist Friede Springer: Im Jahr 2020 schenkte die Patriarchin des Springer-Konzerns eine Unternehmensbeteiligung im Wert von sage und schreibe einer Milliarde Euro an Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer SE – und mit Hilfe der Verschonungsbedarfsprüfung erreichte Döpfner tatsächlich, dass ihm ein erheblicher Teil der Schenkungssteuer erlassen wurde. Im Jahr 2023 waren es insgesamt 26 große Erbschaften mit einem Gesamtwert von rund 7 Milliarden Euro, die fast komplett steuerfrei übertragen – die Erben zahlten weniger als 0,1 % der Steuer. Allein die zehn größten Erbschaften hätten ohne legale Trickserei rechnerisch über eine Milliarde Euro mehr an Einnahmen für die öffentliche Hand gebracht. Doch auch dieses Geld fehlt jetzt an allen Ecken und Enden, wenn es darum geht in die marode Infrastruktur, in das Gesundheitssystem oder den sozialen Wohnungsbau zu investieren. Während zugleich viele normale Haushalte unter hohen Verbrauchssteuern und einer hohen Einkommensteuer ächzen, machen sich die Superreichen auch hier einen schlanken Fuß. Die Linke fordert daher schon lange eine grundlegende Reform der Erbschaftssteuer: die Abschaffung der absurden Verschonungsregelungen für Superreiche, eine gerechte Besteuerung aller Vermögensarten, eine geringere Besteuerung von kleineren Erbschaften und deutlich höhere Steuersätze bei extrem großen Erbschaften. Und die Bundesregierung? Muss mal wieder zum Jagen getragen werden. Gemeinsam mit meiner Fraktion Die Linke werde ich im Deutschen Bundestag jedenfalls weiter Druck machen, dass auch sie hier endlich handelt. Denn das braucht es, um für eine gerechtere Besteuerung zu sorgen und die massive Ungleichheit in unserem Land wirksam zu bekämpfen.

Pascal Meiser, Mitglied des Deutschen Bundestages
klar.links Ausgabe #6 November/Dezember 2025