Die Linke hilft, auch in FHain-XBerg

Jonas Bülow

Solidarität ist kein Gefühl, sondern eine Praxis. Nach diesem Motto bieten wir auch in unserem Kiez Sozialberatung an. Hier finden Menschen Unterstützung, die mit Ämtern, Formularen oder Vermieter*innen nicht weiterkommen. Es geht nicht um große Reden, sondern um konkrete Hilfe: Ansprüche erkennen, Bescheide verstehen, Unterlagen sortieren, Wege finden. Wer schon einmal versucht hat, beim Jobcenter den Durchblick zu behalten oder auf dem Berliner Wohnungsmarkt eine faire Chance zu bekommen, weiß, wie schnell man an Grenzen stößt. Wichtig: Unsere Sozialberatung ist keine Rechtsberatung. Wir vertreten niemanden vor Gericht und geben keine juristischen Ratschläge. Aber wir hören zu, erklären und vermitteln euch an Expertinnen und Experten, die ihr für euer Thema braucht. Wir helfen euch, den Überblick zu behalten, und zeigen: Ihr müsst nicht alles allein schaffen.

Ein Beispiel: J. ist neu in Berlin. Nach langer Suche findet er ein Zimmer in einer WG. Der Vermieter weigert sich, einen neuen Mietvertrag abzuschließen, und einer Untervermietung stimmt er ebenfalls nicht zu. Weil J. arbeitslos ist, bezieht er Bürgergeld. Doch ohne Mietvertrag übernimmt das Jobcenter keine Unterkunftskosten. Kurz gesagt: kein Vertrag, kein Geld für die Miete – und bald keine Wohnung mehr. In unserer Beratung schauen wir gemeinsam, was möglich ist: Welche Nachweise akzeptiert das Jobcenter trotzdem? Wo gibt es Stellen, die Druck auf Vermieter*innen ausüben, die so handeln? Wir begleiten, erklären und stärken. Der Fall zeigt, wie leicht Menschen durchs Raster fallen, wenn Wohnraum zur Ware wird und Profit wichtiger ist als Menschlichkeit. Deshalb ist die Sozialberatung mehr als Hilfe im Einzelfall – sie ist ein Ort des Widerstands gegen soziale Kälte und Gleichgültigkeit. Niemand muss sich schämen, Unterstützung anzunehmen. Es ist keine Schwäche, sich helfen zu lassen – im Gegenteil: Es ist ein Schritt zur Selbstermächtigung.

Jonas Bülow, Mitglied der AG Die Linke hilft
klar.links Ausgabe #1 Januar/Feburar 2026