Kein Happy End fürs Baerwaldbad

Regine Sommer-Wetter

In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es seit Schließung des Spreewaldbades im Herbst letzten Jahres kein Hallenbad fürs Schwimmen mehr. Die wenigen, die ab und zu das Interimsbad auf dem Gelände des Prinzenbades nutzen können, sehen es mir bitte nach… Das ist im eigentlichen Sinne keine Schwimmhalle. Zum denkmalgeschützten von Ludwig Hoffman erbauten Baerwaldbad in Kreuzberg gibt es seit dessen Schließung 2017 inzwischen die dritte Machbarkeitsstudie. Es verwundert nicht, dass die Kosten für eine Sanierung und Wiedereröffnung des Bades mit jeder Studie steigen. Inzwischen sind es ca. 70 Millionen Euro, zuletzt waren es noch 41 Millionen Euro. Da der Bezirk nicht in der Lage ist, dieses Geld aufzubringen, gibt es seit Jahren den Wunsch, dass das Land Berlin mit seinen Bäderbetrieben hier einspringt und seiner Verantwortung gerecht wird. Doch danach sieht es auch in 2024 und den folgenden Jahren nicht aus. Zur Erinnerung: Neben diversen Appellen der Schwimmvereine des Bezirkes wegen fehlender Hallenzeiten gibt es auch einen erfolgreichen Einwohnerantrag aus 2018 zur Wiederinbetriebnahme des Bades. Der mit den Stimmen aller Fraktionen in der BVV beschlossen wurde.

Und jetzt?

Im Dezember 2022 wurde das Bezirksamt beauftragt, weiterhin alle Möglichkeiten zu prüfen, das Baerwaldbad zu erhalten, einem weiteren Verfall des Gebäudes entgegenzuwirken und das Gebäude einer breiten, gemeinwohlorientierten Nutzung zuzuführen. Die neue Machbarkeitsstudie soll verschiedene Nutzungsmöglichkeiten inklusive finanzieller Tragfähigkeit darstellen und Szenarien unter Beibehaltung der Schwimmhallen entwickeln. Die Studie wurde in acht Monaten erarbeitet. Neben einer Bausubstanz- und Potenzialanalyse flossen eine Reihe von Interviews mit verschiedenen Akteuren aus Bezirks- und Stadtverwaltung, der Nachbarschaft sowie Vertretern der öffentlichen Hand in den Prozess ein. Ende Mai 2024 wurde die Machbarkeitsstudie im Rahmen einer öffentlichen Stadtwerkstatt vorgestellt und breit diskutiert.

Eine Nutzung als Schwimmbad ist vor der aktuellen Haushaltslage und fehlender Personalkapazitäten weiterhin ausgeschlossen. Wegen des Denkmalschutzes muss der potenzielle Erhalt der Schwimmflächen gewährleistet werden. Damit ist allerdings frühestens 2030 zu rechnen und setzt die Bereitstellung entsprechender finanzieller Mittel voraus. Aktuell muss schnellstmöglich die Sanierung der denkmalgeschützten Substanz beginnen, um einen weiteren Verfall des Gebäudes zu verhindern. Nach der Mindestsanierung sollen mit verschiedenen Akteuren kleinteilige und nachbarschaftliche Zwischennutzungen auf den Weg gebracht werden. Gleichzeitig bedarf es einer Kooperationsvereinbarung zwischen Bezirk und gemeinwohlorientierten Dritten mit Festlegung auf gemeinsame Ziele. Wir werden an dieser Stelle über den weiteren Verlauf des Prozesses berichten.

Regine Sommer-Wetter
Mitglied der BVV Friedrichshain-Kreuzberg für Die Linke

klar.links Ausgabe #6 November/Dezember 2024