DIE LINKE. Friedrichshain-Kreuzberg


28. Februar 2011 Linksfraktion in der BVV

Kahlschlag ohne Konzept

Anlässlich der aktuellen Baumfällungen im Volkspark Friedrichshain erklärt der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion in der BVV:  Die momentanen Fällungen am Bunkerberg erfolgen ohne Konzept(e).

 

Zur Vorgeschichte:

Nachdem im Sommer 2010 bei einem Sturm Bäume am großen Bunkerberg umgefallen waren, wurde der Umweltausschuss am 17. August 2010 davon unterrichtet, dass etliche Fällungen notwendig seinen, da der Bunkerberg auf Grund der hohen und gleichzeitig einer geringen Humusschicht über den Trümmern (aus denen nunmal der Bunkerberg bekanntlich besteht) keinen Halt für die Bäume gebe. Das Bezirksamt sah sich dadruch nicht in der Lage, die Verkehrssicherheit zu garantieren.

Damals hatte der Umweltausschuss dem Bezirksamt die Fällgenehmigung noch versagt. Der Ausschuss folgte nicht der These, die Bäume am Hang seien nicht standsicher.

Daraufhin sperrte Ende August das Bezirksamt eine etwa 1-2 ha große Fläche am Hang über den großen Teich „wegen erhöhter Baumbruch- und Umsturzgefahr für die Öffentlichkeit.“ Damit kam das Bezirksamt zwar seiner Verkehrssicherungspflicht nach, doch das Problem blieb bestehen.

Am 24. November folgte die BVV einem Antrag der LINKSFRAKTION. Für einen kostengünstigen und CO²- neutralen Gehölzumbau soll das Bezirksamt wissenschaftlichen Rat bei Fach- und Hochschulen einholen. Wissenschaftliche Gutachten sollten Vorschläge für den Umbau des Bestandes mit geeigneten Gehölzen und Baumsorten bzw. -Arten unterbreiten, damit die ökologische Bilanz des gegenwärtigen Baumbestandes auf den beiden Bunkerbergen erhalten bleibt. Neue Gehölze sollten möglichst viel Kohlendioxid binden, Sauerstoff produzieren sowie Feinstaub filtern und die heiße und trockene Sommer bzw. nass-kalte Winter wegstecken und die hiesige Parkfauna nicht verdrängen, sondern sie bereichern.

Die Gutachten sollten dem Bezirksamt Handlungsoptionen eröffnen, ob eine teilweise oder eine komplette Sperrung beider Bunkerberge und somit Sicherungskosten nötig sind, oder nicht. Dies alles wurde bisher nicht getan.

Im Januar wurde die geforderte Einzelfallprüfung der Bäume im gesperrten Bereich durchgeführt. Am 15. Februar wurde diese externe Prüfung dem Umweltausschuss vorgestellt. Bis zum 1. März, dem Beginn der Vegetations- und Brutperiode, erfolgen innerhalb und außerhalb des gesperrten Parkabschnittes nun umfangreiche Baumfäll- und Baumschnittmaßnahmen.

Das Kritikwürdige an den Maßnahmen ist, dass es auch danach kein Konzept für Sanierung und Umbau des Baum- und Gehölzbestandes sowie kein Pflegekonzept gibt. Die Baumfällungen und Baumschnitt erfolgen aus rein fiskalischen, nämlich aus Verkehrssicherheitsgründen, ohne dass es bisher einen einzigen Regulierungsfall gegeben hätte. Dabei haben die Absperrmaßnahmen seit September 2010 etwa 20.000 Euro gekostet. Es bleibt als absurdes Ergebnis aller bisherigen Maßnahmen des Bezirksamts zur Herstellung der Verkehrssicherheit zu konstatieren, dass der Parkbereich nördlich des „Großen Teichs“ für die Öffentlichkeit nach wie vor gesperrt bleibt.

 

Mirko Assatzk
Umweltpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE
Nachfragen unter: 0162-5441835 

Quelle: http://www.dielinke-friedrichshain-kreuzberg.de/nc/politik/presse/detail/browse/5/artikel/kahlschlag-ohne-konzept/